10. Risikobericht

Zur Umsetzung der Unternehmensstrategie und der damit verbundenen Ertragschancen geht die Schaeffler Gruppe bewusst beherrschbare Risiken ein. Dennoch ist die Schaeffler Gruppe einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt, die das Geschäft negativ beeinflussen können und in einer extremen Ausprägung auch den Unternehmensbestand gefährden könnten. Derzeit sind uns keine derartigen Risiken bekannt, deren Eintritt wahrscheinlich ist.

Schaeffler definiert Risiken als mögliche künftige Entwicklungen oder Ereignisse, die zu einer negativen Planabweichung führen können.

Die Verantwortlichkeiten zur Identifizierung und Steuerung wesentlicher Risiken sind innerhalb der Schaeffler Gruppe auf verschiedene Ebenen und Organisationseinheiten klar verteilt. Die Risiken werden vom lokalen Management in den Tochtergesellschaften sowie konzernweit durch den Vorstand überwacht. Die Steuerung von Risiken, die auf Ebene der Schaeffler Gruppe keinen nennenswerten negativen Einfluss haben, obliegt dem lokalen Management. Die Risikobewertung basiert auf einer Einschätzung der monetären Auswirkung auf das Unternehmensergebnis und der damit verbundenen Eintrittswahrscheinlichkeit.

Das Risikomanagementsystem wird laufend verbessert und weiterentwickelt. Im Berichtsjahr erfolgte der stufenweise Rollout des Risikomanagementsystems in weiteren Gesellschaften der Gruppe, somit ist das System in allen Regionen implementiert. Die Richtlinie zum Risikomanagement ist in das Management Handbuch der Schaeffler Gruppe integriert und damit allen Mitarbeitern zugänglich. Diese enthält neben der Prozessbeschreibung, der Zuordnung der Verantwortlichkeiten und der Struktur des Risikomanagementsystems insbesondere auch eine inhaltliche Beschreibung der Risikokategorien sowie einen Bewertungsvorschlag.

Die identifizierten Risiken und die dazugehörigen Maßnahmen werden durch das Risikomanagement auf Konzernebene zusammengefasst, überwacht und regelmäßig an das verantwortliche Management berichtet. Im Rahmen seines Verantwortungsbereiches beschließt das Management die erforderlichen Maßnahmen und sorgt für eine regelmäßige Steuerung der Umsetzung. Der Vorstand überwacht die Entwicklung der identifizierten Risiken und den [--break--] Stand der eingeleiteten Maßnahmen. Im Berichtsjahr wurde über die Maßnahmen und deren Umsetzungsstatus an den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats berichtet.

Damit die Schaeffler Gruppe in ihrem Geschäftsumfeld erfolgreich agieren kann, existiert ein effektives internes Kontrollsystem (IKS), welches einen integralen Bestandteil des Risikomanagementsystems bildet. Das Ziel des internen Kontrollsystems besteht in Bezug auf den [--break--] Rechnungslegungsprozess darin, die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung und der [--break--] damit verbundenen Berichterstattung sicherzustellen.

Maßnahmen des rechnungslegungsbezogenen Kontrollsystems der Schaeffler Gruppe beinhalten:

  • umfangreiche systemgestützte Plausibilitätskontrollen im Rahmen des laufenden Berichtswesens,
  • regelmäßigen Dialog mit den operativen Einheiten zu Themen der Rechnungslegung,
  • laufende inhaltliche Kontrollen (Vier-Augen-Prinzip) auf Ebene der Einzelgesellschaften wie auch im Rahmen des Konzernberichtswesens,
  • Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, die konzerneinheitlich angewendet werden, und
  • Vorkehrungen zur Erfassung und Eliminierung konzerninterner Transaktionen.

Die Funktionsfähigkeit des internen Kontrollsystems wurde im Jahr 2011 mithilfe einer Selbstbewertung (Control-Self-Assessment) auf Ebene der Einzelgesellschaften sichergestellt. Identifizierte Kontrollschwächen wurden auf Gesellschafts- und Gruppenebene bewertet und analysiert. Die Umsetzung von Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung und zur Risikominimierung wird von der internen Revision begleitet.

Trotz der Maßnahmen zur Überwachung der Funktionsfähigkeit sowie der laufenden Fortentwicklung kann das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem in Bezug auf den Rechnungslegungsprozess nicht mit absoluter Sicherheit verhindern, dass Falschaussagen in der Rechnungslegung auftreten.

Die Risiken, denen die Schaeffler Gruppe ausgesetzt ist, werden vom Management in strategische, operative, rechtliche und finanzielle Risiken unterteilt.

10.1 Strategische Risiken

Entscheidungen im Rahmen der strategischen Ausrichtung unseres Unternehmens und unseres Produktportfolios bergen immer das Risiko, dass Markttrends und technologische Neuerungen nicht rechtzeitig erkannt bzw. falsch eingeschätzt werden.

Um dem vorbeugen zu können, werden umfassende Marktanalysen durchgeführt. Dabei werden Trends frühzeitig analysiert und bewertet sowie alternative Entwicklungsentscheidungen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Produktportfolio und die strategische Ausrichtung des Unternehmens untersucht.

Die Standortplanung wird auch durch die Nähe zu unseren Kunden bestimmt. Dabei besteht grundsätzlich das Risiko, aufgrund fehlender lokaler Präsenz neue Kundenaufträge nicht zu gewinnen bzw. bestehende Kundenaufträge nicht vollständig lokal bedienen zu können.

Wir begegnen diesem Risiko durch eine strategische Standortplanung, deren Ziel es unter anderem ist, frühzeitig Produktionskapazitäten an den relevanten Standorten aufzubauen bzw. zu erweitern. Dies zeigt sich in unserer internationalen Präsenz.

Veränderungen hinsichtlich sozialer, politischer, rechtlicher und ökonomischer Stabilität in bestimmten Märkten könnten zu einer Einschränkung unserer vorgesehenen Expansion führen.

10.2 Operative Risiken

Die Nachfrage nach unseren Produkten sowohl im Automobil- als auch im Industriebereich wird weltweit maßgeblich durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Darüber hinaus stellen zyklische Schwankungen einzelner Branchen ein weiteres Risiko im Hinblick auf die Produktionsauslastung und damit die Ertragslage dar.

Die Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte ist mit dem Risiko verbunden, dass Termine, Qualität oder geplante Kosten nicht eingehalten werden können.

Um dem entgegenzuwirken, hat die Schaeffler Gruppe ein konzerneinheitliches System zur Steuerung von Forschungs- und Entwicklungsprozessen implementiert. Dadurch können die Entscheidungsträger effizient die relevanten Projekte überwachen und rechtzeitig Einfluss auf deren weiteren Ablauf nehmen. Insbesondere in der Sparte Automotive können wir die genannten Risiken durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Schlüsselkunden im Bereich der kundenspezifischen Vor- und Weiterentwicklung weiter reduzieren.

Zum Erhalt unserer Technologieführerschaft und für die Entwicklung neuer und verbesserter Produkte bedarf es nennenswerter Investitionen. Neben einer verschlechterten Ertragslage können auch die Financial Covenants (vgl. 10.4 Finanzielle Risiken) diese Investitionsausgaben beschränken und die damit verbundene Entwicklung gefährden.

Beschaffungsrisiken entstehen zum einen aus Marktpreisschwankungen, zum anderen aus der fehlenden Verfügbarkeit von Rohstoffen in geeigneter Qualität und Menge. Zur Fertigung unserer Produkte benötigen wir große Mengen an Rohmaterialien und Komponenten, in erster Linie Stahl verschiedenster Legierungen, sowie auch Energie.

Diesen Risiken wird mit einer systematischen Lieferantenauswahl und -bewertung begegnet. Die vorhandenen Kenntnisse über die lokalen Märkte werden in die Entwicklung der Einkaufsstrategie integriert. Aus diesem Grund sind die regionalen Einkaufsorganisationen in den Prozess von der Entwicklung der Strategie bis zur landesspezifischen Umsetzung mit eingebunden. Gegen die Volatilität bei Rohstoffpreisen sichert sich die Schaeffler Gruppe zudem durch den Abschluss von Tranchengeschäften (z. B. Energie) und durch die Weitergabe der Preisschwankungen an den Kunden durch Preis-Gleitklauseln ab. Derivative Finanzinstrumente zur Sicherung der Rohstoffpreise kommen nicht zum Einsatz.

Der nachhaltige Erfolg sowie das geplante Wachstum der Schaeffler Gruppe hängen vor allem davon ab, geeignetes Personal zu rekrutieren, integrieren und an das Unternehmen binden zu können. Der Wettbewerb um hoch qualifizierte Mitarbeiter, insbesondere Ingenieure und Führungskräfte, ist nach wie vor groß, was zum einen die Anwerbung neuer Mitarbeiter erschwert und zum anderen den Abgang von Schlüsselpersonal zur Folge haben kann. Der gezielte Ausbau des Personalmarketings soll den Bekanntheitsgrad und die Attraktivität der Schaeffler Gruppe als Arbeitgeber erhöhen. Maßnahmen zur zielgerichteten Personalentwicklung und Weiterbildung sollen die Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter fördern.

Mangelnde Qualität der ausgelieferten Produkte kann ein Produkthaftungsrisiko darstellen. Der Einsatz fehlerhafter Produkte führt beim Kunden zu Schäden, außerplanmäßigen Reparaturmaßnahmen oder Rückrufaktionen, die Haftungsansprüche oder Reputationsschäden auslösen können. Darüber hinaus kann eine sich verschlechternde Produktqualität zu vermehrten Garantie- und Kulanzansprüchen unserer Kunden führen. Durch strenge Qualitätssicherungsmaßnahmen und kontinuierliche Prozessverbesserungen in der Produktion reagieren wir auf dieses Risiko.

Absatzrisiken bestehen in Form von Preisrisiken und des Risikos einer verspäteten Bereitstellung der Produkte beim Kunden. Dies kann zu Auftragsverlusten und Marktanteilsverlusten führen. Diesem Risiko begegnen wir mit einer systematischen Verbesserung der Produktions- und Absatzlogistik.

Viele unserer Kunden sind OEMs oder Tier 1 Lieferanten. Die enge Zusammenarbeit mit diesen Kunden in der Produktentwicklung sowie strikte Qualitätssicherungsmaßnahmen für die Produkte erschweren deren Substitution und tragen zugleich zur Sicherung des Preisniveaus bei. Regelmäßige Bonitätsprüfungen unserer Kunden reduzieren das Kundenausfallrisiko.

Mit den Marken der Schaeffler Gruppe INA, LuK und FAG ist untrennbar ein hoher Qualitätsanspruch verbunden, weshalb diese zunehmend in den Fokus der Produktpiraterie geraten. Die Bekämpfung der Produktpiraterie hat bei Schaeffler einen hohen Stellenwert. Der Schutz des geistigen Eigentums erfolgt nicht nur über weltweite Patente und Schutzrechte, sondern auch durch die Ergreifung aktiver Maßnahmen gegen die Zunahme von image- und umsatzschädigenden Produktfälschungen.

Aus Naturereignissen, Unfällen oder verursachten Umweltverschmutzungen können potenzielle Vermögensrisiken entstehen. Daraus resultierende mögliche Betriebsunterbrechungen in der [--break--] Lieferkette oder im Produktionsprozess könnten sich negativ auf die Versorgung unserer Kunden auswirken. Dieses Risiko wird dadurch reduziert, dass Produkte an verschiedenen Standorten produziert werden können und damit auch kurzfristige Produktionsalternativen bestehen. Zusätzlich besteht ein entsprechender Versicherungsschutz.

Unsere Geschäftstätigkeit basiert auf komplexen IT-Systemen, Netzwerkstrukturen sowie auch internen und externen Kommunikationsmedien. Die daraus resultierenden Abhängigkeiten bergen Risiken hinsichtlich der laufenden Datenverfügbarkeit und des vertraulichen Umgangs mit Daten. Betriebsstörungen der Informationssicherheit durch bewusste Angriffe oder Manipulation der IT-Infrastruktur könnten sich wesentlich auf unser operatives Geschäft auswirken.

10.3 Rechtliche Risiken

Gegen die Schaeffler Gruppe sind diverse Rechtsstreitigkeiten anhängig bzw. könnten anhängig werden. Nach unserer Einschätzung handelt es sich dabei im Wesentlichen um gewöhnliche, routinemäßige und im Zusammenhang mit unserem Geschäft stehende Rechtsstreitigkeiten.

Ende 2011 haben mehrere Kartellbehörden Untersuchungen wegen möglicher kartellrechtswidriger Absprachen gegen mehrere Hersteller von Wälz- und Gleitlagern für die Automobilindustrie und die sonstige Industrie eingeleitet. Die Schaeffler AG bzw. Tochtergesellschaften sind von den Untersuchungen betroffen. Schaeffler kooperiert mit den zuständigen Behörden und unterstützt diese bei ihrer Arbeit. Zum heutigen Tag haben sich die Untersuchungen noch nicht konkretisiert. Es besteht ein Risiko, dass die Kartellbehörden Bußgelder verhängen und dass Dritte Schadenersatzforderungen geltend machen. Die Höhe möglicher Bußgelder oder Folgeansprüche ist ungewiss, könnte aber wesentlich sein.

Der Eintritt eines oder mehrerer dieser Risiken könnte unsere Geschäftstätigkeit, unsere Finanzlage, und unsere Unternehmensergebnisse beeinträchtigen, und somit die Einhaltung unserer Verpflichtungen im Zusammenhang mit unseren Finanzschulden erschweren.

10.4 Finanzielle Risiken

Überblick

Die Schaeffler Gruppe ist aufgrund der Finanzierungsanforderungen ihrer weltweiten Geschäftstätigkeit durch den Einsatz von Finanzinstrumenten den folgenden Risiken ausgesetzt:

(1) Kreditrisiko

(2) Liquiditätsrisiko

(3) Marktrisiken (Währungs-, Zins- und Sonstige Marktpreisrisiken)

Der Vorstand der Schaeffler Gruppe trägt die Gesamtverantwortung für das Risikosteuerungssystem des Konzerns.

(1) Kreditrisiko

Das Risiko des Ausfalls eines Kunden bzw. Geschäftspartners wird als Kreditrisiko bezeichnet. Automobilhersteller zählen zu den Großkunden der Schaeffler Gruppe im Segment Automotive. Aus diesen Geschäftsbeziehungen resultiert eine Konzentration von Kreditrisiken bei Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.

Das Kreditrisiko wird durch die laufende Überwachung des Finanzstatus, der Kreditwürdigkeit sowie der Zahlungshistorie der jeweiligen Kunden kontrolliert. Weitere Maßnahmen sind z. B. unser Mahnverfahren sowie der Einsatz von Warenkreditversicherungen.

Der Buchwert der finanziellen Vermögenswerte spiegelt das maximale Kreditrisiko zum jeweiligen Bilanzstichtag wider:

Finanzielle Vermögenswerte

Nr. 010
Buchwert
in Mio. EUR 31.12.2011 31.12.2010
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1.607 1.443
Sonstige Finanzanlagen 14 8
Sonstige Vermögenswerte

Handelbare Wertpapiere

4 3

Sonstige Kredite

103 107

Als Sicherungsinstrument designierte Derivate

0 43

Nicht als Sicherungsinstrument designierte Derivate

13 77
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 397 733
Summe finanzielle Vermögenswerte 2.138 2.414

Geldanlagen und Sicherungsgeschäfte werden ausschließlich mit den dafür von Schaeffler beauftragten wesentlichen Banken abgeschlossen. Diese zeichnen sich unter anderem durch eine gute Bonität aus. Corporate Treasury steuert die einzelnen Positionen kontinuierlich und überwacht die Bonitätsentwicklung der einzelnen Banken, u. a. anhand der Entwicklung der Ratings dieser Institute.

(2) Liquiditätsrisiko

Das Risiko, dass die Schaeffler Gruppe ihre finanziellen Verpflichtungen bei Fälligkeit nicht erfüllen kann, wird als Liquiditätsrisiko bezeichnet.

Die Schaeffler Gruppe stellt die Finanzierung des operativen Geschäfts sowie der finanziellen Verpflichtungen durch den Einsatz von Eigenkapital, von Cash-Pooling-Vereinbarungen und konzerninternen Krediten sowie von gewährten Kreditlinien sicher.

Die folgende Übersicht zeigt die vertraglich vereinbarten Zins- und Tilgungszahlungen aus Finanzverbindlichkeiten und derivativen Verbindlichkeiten der Schaeffler Gruppe:

Zins- und Tilgungszahlungen aus Finanz- und derivativen Verbindlichkeiten

Nr. 011
in Mio. EUR Buchwert Vertraglich

vereinb. Zahlungsströme

Bis zu

1 Jahr

1–5 Jahre Mehr als

5 Jahre

31. Dezember 2011
Nicht-derivative finanzielle Verbindlichkeiten 8.553 9.126 1.810 7.309 7
  • Finanzschulden
7.485 8.058 751 7.307 0
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
873 873 873 0
  • Sonstige Verbindlichkeiten
195 195 186 2 7
Derivative finanzielle Verbindlichkeiten 316 320 176 144
Summe 8.869 9.446 1.986 7.453 7
31. Dezember 2010
Nicht-derivative finanzielle Verbindlichkeiten 7.289 8.820 1.269 7.547 4
  • Finanzschulden
6.477 7.993 456 7.537 0
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
729 744 737 3 4
  • Sonstige Verbindlichkeiten
83 83 76 7
Derivative finanzielle Verbindlichkeiten 444 433 218 215 0
Summe 7.733 9.253 1.487 7.762 4

Der mittelfristige und langfristige Finanzierungsbedarf der Schaeffler Gruppe war im Berichtsjahr durch das Senior Facility Agreement (siehe 4.15 Finanzinstrumente) vom 20. November 2009, mit den im Zuge der im März 2011 durchgeführten Refinanzierung erfolgten Anpassungen, durchgehend gedeckt. Zur Deckung des Finanzierungsbedarfs stehen der Schaeffler Gruppe eine revolvierende Kreditlinie (Revolving Credit Facility) über 793 Mio. EUR sowie weitere bilaterale Kreditlinien zur Verfügung.

Das Senior Facility Agreement (SFA) vom 20. November 2009 enthielt Auflagen, zu denen die Einhaltung bestimmter Finanzkennzahlen (Financial Covenants) zählte. Bei diesen Finanzkennzahlen handelte es sich um:

  • Nettoverschuldung zu EBITDA (Senior Debt Leverage),
  • EBITDA zu Zinsaufwand (Senior Interest Cover),
  • Cash Flow zu Kapitaldienst (Senior Cash Flow Cover) und um
  • Investitionen (Capital Expenditure).

Das SFA räumte den Kreditgebern, u. a. für den Fall der Nichteinhaltung der Finanzkennzahlen ein außerordentliches Kündigungsrecht ein, welches zur sofortigen Fälligstellung der Kredite berechtigte.

Die Einhaltung von Kennzahlen wird auf Konzernebene überwacht. Die zu verwendenden Berechnungsparameter wurden detailliert in den Kreditverträgen geregelt und lassen sich nicht unmittelbar aus dem Konzernabschluss ableiten. Insbesondere stellte die Senior Debt Leverage Ratio eine wichtige finanzielle Kennzahl dar, die zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2011 den Wert von 4,04 nicht überschreiten durfte. Darüber hinaus war für das Berichtsjahr eine Senior Interest Cover Ratio von mindestens 2,52 einzuhalten. Der Senior Kapitaldienst wurde im Berichtsjahr 2011 wie im Vorjahr durchgängig durch den Cash Flow gedeckt (Senior Cash Flow Cover gemäß Kreditvertrag). Mit unseren Investitionsausgaben von rund 783 Mio. EUR im Jahr 2011 hat die Schaeffler Gruppe die entsprechende Kennzahl ebenfalls eingehalten.

Im Zuge der Refinanzierung vom 27. Januar 2012 wurden, bei nahezu unveränderten Berechnungsgrundlagen, die einzuhaltenden Finanzkennzahlen für den Zeitraum bis zum 31. Dezember 2016 neu festgelegt:

  • die Debt Leverage Ratio darf zum 31. Dezember 2012 und zum 31. Dezember 2013 einen Wert von 3,90 bzw. 3,50 nicht überschreiten,
  • die Interest Cover Ratio muss einen Mindestwert von 3,50 für 2012 und 3,70 für 2013 einhalten,
  • der Cash Flow soll unverändert ausreichen, um den Kapitaldienst zu erbringen, und
  • die Investitionsausgaben dürfen grundsätzlich nicht mehr als 8 % des Konzernumsatzes betragen.

Sowohl im Geschäftsjahr 2011 als auch im Vorjahr wurden die Financial Covenants durchgängig eingehalten. Die Schaeffler Gruppe geht davon aus, dass sie auch in den nächsten beiden Jahren 2012 und 2013 und darüber hinaus eingehalten werden.

Neben den finanzierungsbezogenen Liquiditätsrisiken kann sich zusätzlich ein kurzfristiges Liquiditätsrisiko ergeben, wenn anders als im Rahmen der Working Capital-Planung erwartet, Forderungen nicht zeitnah beglichen werden. Zur Überwachung und Steuerung des kurzfristigen Liquiditätsrisikos wird von Corporate Treasury ein Liquiditätsplan mit einem vierwöchigen Horizont auf rollierender Basis erstellt. Kurzfristige Schwankungen des Working Capital-Bedarfs werden tagesgenau beobachtet und können über Kreditlinien ausgeglichen werden. Ein struktureller kurz- und mittelfristiger Liquiditätsbedarf kann generell über Ziehungen des Revolvers ausgeglichen werden.

Ein striktes Working Capital Management, dessen Methoden und Ziele regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, dient ebenfalls dem Management des kurzfristigen Liquiditätsrisikos.

Die Überwachung und Steuerung des mittelfristigen Liquiditätsrisikos erfolgt anhand einer rollierenden 12-Monats-Liquiditätsplanung. Die Einhaltung der Financial Covenants wird im Rahmen der Planung und anhand von Ist-Daten vom Vorstand überwacht und gesteuert, und monatlich an die kreditgebenden Banken berichtet.

(3) Marktrisiken

Über den Sammelbegriff Marktrisiko wird das Risiko aus Änderungen von Marktpreisen wie Zinssätzen, Wechsel- und Aktienkursen mit Auswirkungen auf das Ergebnis sowie den Wert [--break--] der gehaltenen Finanzinstrumente definiert. Unser Ziel ist es, die Marktrisiken zu begrenzen und gleichzeitig die Optimierung von Erträgen zu steuern und zu kontrollieren.

Um das Marktrisiko zu steuern, schließt die Schaeffler Gruppe Derivate ab (vgl. 4.15 Finanzinstrumente).

Zinsrisiko

Zum 31. Dezember 2011 lassen sich die verzinslichen Finanzinstrumente der Schaeffler Gruppe in Bezug auf die grundlegende Ausgestaltung des jeweiligen Zinssatzes wie folgt zusammenfassen:

Variabel und festverzinsliche Finanzschulden

Nr. 012
Buchwert
in Mio. EUR 31.12.2011 31.12.2010
Variabel verzinsliche Instrumente 6.964 6.304

Finanzielle Schulden

6.964 6.304
Festverzinsliche Instrumente 521 173

Finanzielle Schulden

521 173

Aufgrund des variabel verzinslichen Senior Term Loan besteht ein Zinsrisiko aus Schwankungen des 1-Monats-EURIBOR. Dieses Zinsrisiko wird durch den Abschluss von Zinsswaps, Zinscaps und Zinscollars gesichert. Die bestehenden Zinssicherungsgeschäfte sind auf einem höheren als dem aktuell gültigen Zinsniveau abgeschlossen worden und begrenzen das Risiko aus Schwankungen des 1-Monats-EURIBOR über die gesamte Laufzeit des Senior Term Loan. Das Zinsänderungsrisiko und die Entwicklung der Zinsmärkte werden laufend im Rahmen eines Marktrisiko-Reportings überwacht.

In Bezug auf eine Sensitivitätsanalyse für variabel verzinsliche Instrumente würde eine Veränderung der entsprechenden Zinskurve um 100 Basispunkte (Bp) zum 31. Dezember 2011 das Periodenergebnis bzw. das Eigenkapital folgendermaßen beeinflussen (erhöhen bzw. vermindern). Hierbei wird die Annahme getroffen, dass alle anderen Variablen, insbesondere Devisenkurse, konstant bleiben.

Sensitivitätsanalyse: Veränderungen Zinsstrukturkurve

Nr. 013
Periodenergebnis Eigenkapital
in Mio. EUR Plus 100 Bp Minus 100 Bp Plus 100 Bp Minus 100 Bp
Zum 31. Dezember 2011
Variabel verzinste Instrumente -27 27
Als Sicherungsinstrument
designierte Zinsderivate
16 -2 96 -94
Nicht als Sicherungsinstrument designierte Zinsderivate 5 -5
Summe -6 20 96 -94
Zum 31. Dezember 2010
Variabel verzinste Instrumente -65 36
Nicht als Sicherungsinstrument designierte Zinsderivate 260 -213
Summe 195 -177 0 0

Der Effekt aus den variabel verzinsten Instrumenten ist rein auf eine erhöhte bzw. verminderte Zinslast zurückzuführen. Die Veränderung des Periodenergebnisses sowie des Eigenkapitals aus den Zinsderivaten wird ausschließlich durch Marktwertänderungen hervorgerufen. Davon entfallen bei den als Sicherungsinstrument designierten Zinsderivaten 16 Mio. EUR bzw. -2 Mio. EUR auf das Periodenergebnis und 96 Mio. EUR bzw. -94 Mio. EUR auf die im Eigenkapital erfasste Rücklage. Bei den nicht als Sicherungsinstrument designierten Zinsderivaten entfallen 5 Mio. EUR bzw. -5 Mio. EUR auf das Periodenergebnis.

Vor dem Hintergrund des bestehenden ökonomischen und bilanziellen Sicherungszusammenhangs für die aus dem Senior Facility Agreement entstehenden variablen Zinszahlungen erfolgt die Ermittlung der Sensitivität für die variabel verzinslichen Instrumente auf Basis der Netto-Zinsrisikoposition. Im Vorjahr wurde unter der Position variabel verzinste Finanzinstrumente ausschließlich der Zinsaufwand aus dem Senior Facility Agreement berücksichtigt. Zinseffekte aus den Zinsderivaten wurden unter den nicht als Sicherungsinstrument designierten Zinsderivaten ausgewiesen.

Währungsrisiko

Die Schaeffler Gruppe ist aufgrund ihrer Internationalität vielfältigen Währungsrisiken ausgesetzt. Die größten Währungsrisiken resultieren aus Kursänderungen des US-Dollar und des Rumänischen Leu. Aus potenziellen Kursschwankungen resultiert zum einen ein Einfluss auf die Umsatzentwicklung, zum anderen ein Einfluss auf die Entwicklung der Beschaffungskosten. Die einzelnen Ergebniseffekte werden im monatlichen Reporting überwacht.

Das Management der Währungsrisiken läuft zentral über das Corporate Treasury der Schaeffler AG. Dort werden die konzernweiten Währungsrisiken aggregiert und durch den Abschluss von Sicherungsgeschäften abgesichert. Als Sicherungsinstrumente werden Devisentermingeschäfte sowie Optionen verwendet. Das Währungsrisiko, die Marktwerte der Währungsderivate sowie die Entwicklung an den Devisenmärkten werden im Rahmen des Risikomanagements kontinuierlich überwacht.

Die folgende Tabelle zeigt die erwarteten Fremdwährungsrisiken aus der operativen Geschäftstätigkeit der Schaeffler Gruppe bezüglich ihrer wesentlichen Währungen und basiert auf den jeweiligen Nominalwerten zu den entsprechenden Bilanzstichtagen:

Erwartete Fremdwährungsrisiken aus operativer Geschäftstätigkeit

Nr. 014
in Mio. EUR USD RON JPY HUF
31. Dezember 2011
Geschätztes Fremdwährungsrisiko aus operativer Geschäftstätigkeit 1.062 -190 108 -93
Devisentermingeschäfte -639 152 -82 76
Währungsoptionen -156 0 0 0
Verbleibendes Fremdwährungs
risiko aus operativer Geschäftstätigkeit
267 -38 26 -17
31. Dezember 2010
Geschätztes Fremdwährungsrisiko aus operativer Geschäftstätigkeit 852 -198 98 -84
Devisentermingeschäfte -599 157 -78 67
Währungsoptionen -225 0 0 0
Verbleibendes Fremdwährungs
risiko aus operativer Geschäftstätigkeit
28 -41 20 -17

Das geschätzte Fremdwährungsrisiko aus operativer Geschäftstätigkeit stellt das Fremdwährungsrisiko aus betrieblicher Tätigkeit und Investitionstätigkeit bezogen auf die jeweils folgenden zwölf Monate dar. Das verbleibende Fremdwährungsrisiko aus operativer Geschäftstätigkeit gibt das gebündelte Risiko aller Unternehmen der Schaeffler Gruppe wieder, welche keinen lokalen Einschränkungen im Sinne eines Verbotes von Währungsgeschäften mit der Finanzabteilung der Schaeffler Gruppe unterliegen. Die Position bildet somit den Unterschiedsbetrag zwischen bilanziell erfassten Grundgeschäften sowie bislang noch bilanzunwirksamen Grundgeschäften in Form von zukünftig erwarteten Cash Flows aus Fremdwährungen und bereits bilanziell erfassten Sicherungsinstrumenten ab. Das Währungsrisiko in Ländern mit Einschränkungen des Devisenverkehrs (z. B. China, Brasilien) wird von der Finanzabteilung der [--break--] Schaeffler Gruppe überwacht. Das größte Währungsrisiko in diesen Ländern resultiert aus dem USD und beläuft sich auf ein geschätztes Volumen von -314 Mio. EUR (Vj.: -227 Mio. EUR).

Im Rahmen einer währungsrisikobezogenen Sensitivitätsanalyse wird eine 10 %ige Abwertung des Euros gegenüber jeder für die Gruppe wesentlichen Fremdwährung zum 31. Dezember simuliert. Neben Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten werden derivative Finanzinstrumente, die der Absicherung gegen Fremdwährungsrisiken dienen, einbezogen. Hierbei wird die Annahme getroffen, dass alle anderen Variablen, insbesondere Zinssätze, konstant bleiben.

Die potenziellen Auswirkungen auf das Ergebnis bzw. auf das Eigenkapital aufgrund der Stichtagsbewertung und der Bewertung zum beizulegenden Zeitwert sind aus folgender Tabelle ersichtlich:

Sensitivitätsanalyse: Veränderungen Wechselkurse

Nr. 015
31.12.2011 31.12.2010
in Mio. EUR Periodenergebnis Eigenkapital Periodenergebnis Eigenkapital
USD 15 -77 -23 -4
JPY -4 -6 -1 0
HUF -5 8 0 0
RON -18 16 1 0

Umgekehrt hätte eine 10 %ige Aufwertung des Euros im Vergleich zu den wesentlichen Fremdwährungen zum 31. Dezember – wiederum unter der Annahme, dass alle anderen Variablen konstant bleiben – den gleichen Effekt mit umgekehrtem Vorzeichen bewirkt.

Sonstige Marktpreisrisiken

Risiken aus Börsenkursen und Aktienpreisindizes betreffen ausschließlich Wertpapiere. Die mit dieser Position verbundenen Marktpreisrisiken sind als nicht wesentlich anzusehen.

Gesamtbewertung Risikosituation

Die Risikosituation der Schaeffler Gruppe hat sich nicht wesentlich verändert. Neben den sich aus der hohen Verschuldung ergebenden Finanzierungsrisiken stellen die Umsatzentwicklung sowie ein Rückgang der Ergebnisqualität zentrale Risiken dar.